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Kindern Freiheit für eigene Fantasie lassen

Geschätze Lesezeit: 8 Minuten

Obwohl wir von greenstories einen Onlineshop für ökologisches und pädagogisch wertvolles Spielzeug und seit nun fast 2 Jahren zusätzlich ein Spielzeuggeschäft in Korbach betreiben, raten wir, Spielzeug mit Vernunft und bewusst zu schenken. Also die Aspekte des richtigen Schenkens einzubeziehen und mit dem richtigen sowie altersgerechten Spielzeug die Fantasie zu fördern und nicht zu gefährden. Da dieses Thema uns sehr am Herzen liegt, freut uns dieser Gastbeitrag von Christiane Deuse. Er ist in der Waldeckischen Landeszeitung am 20.04.2018 erschienen.

Junge sitzt gelangweilt mit einem kleinen, gelben Spielzeugauto auf dem Boden. Ein Mann in einem Anzug tätschelt ihm den Kopf.
Gemeinsames Spielen ist wichtig

Für freien Lauf der Fantasie 

Freiraum statt tagesfüllendes Programm: Je weniger festgelegt ist beim Spiel, desto mehr Potenzial entwickelt sich. Kinder werden heute in eine digitale Welt geboren und lernen über Displays zu wischen, noch bevor sie ganze Sätze sprechen. Und manche Knirpse wundern sich, wenn das Wischen bei Bilderbüchern nicht funktioniert. Wenn Digitales und Elektronisches die Welt des Spielens dominiert, bleiben elementare Fähigkeiten auf der Strecke. Wortschatz und Sprachkompetenz gehören dazu, aber auch vieles andere. 

Gemeinsames Spiel mit ungeteilter Aufmerksamkeit ist von elementarer Wichtigkeit. Denn dabei entwickeln sich neben Sprache und Motorik auch FantasieKreativität und vieles mehr.

Aufgetürmtes Bogenspiel in Schwarz-Weiß
Das Bogenspiel fördert Motorik, Fantasie & Kreativität 

„Dabei kann auch mal ein Tablet im Spiel sein, auf dem man sich gezielt und gemeinsam etwas ansieht“, sagt Brigitte Müller, Leiterin der pädagogischen Frühförderung des Lebenshilfewerks Waldeck-Frankenberg. „Wenn auf Knopfdruck Musik ertönt, sollten wir das nicht verteufeln. In Maßen kann es sinnvoll sein.“ greenstories dagegen empfiehlt in den ersten Jahren weitmöglich auf elektronische Tablets und Smartphones als Spielzeug zu verzichten und greift dies in einem Ratgeber  auf.

Aber: „Kinder brauchen nicht von allem alles“, betont die Expertin. Spielen sei harte Arbeit, denn Kleinkinder entwickeln dabei Vorstellungskraft, lernen Begrifflichkeiten zu erkennen und entdecken Räumlichkeiten. Sie entwickeln Lösungen und kleine Handlungsschritte – zunächst nur auf sich selbst bezogen, mit zunehmendem Alter auch in Interaktion mit anderen. Dabei erwerben sie auch soziale Kompetenz und lernen, Konflikte auszutragen.

Kleines Mädchen spielt mit dem Regenbogen von Grimms
Nach Größe sortieren oder doch lieber was draus bauen?

Eltern fördern diese Entwicklung nicht mit immer neuen Anreizen und tagesfüllendem Programm, sondern zuallererst mit ungeteilter Aufmerksamkeit und einem ausgewogenen Angebot. „Zuviel Spielzeug kann auch überfordern“, sagt Brigitte Müller. Zeit zum Experimentieren und für viele Wiederholungen nennt sie als wichtigen Faktor.

Denver Mielke ist Vater eines Sohnes und eröffnete vor anderthalb Jahren mit seiner Frau zusätzlich das erste Geschäft „Greenstories“ in Korbach. Der Verkauf von Spielzeug fußt hier auf klaren Überzeugungen. „Kreativität entwickelt sich erst“, sagt Denver Mielke. Und: „Grundsätzlich kaufen wir immer zu viel.“

Ein Ninja-Schwert bleibt ein Ninja-Schwert

Kreativität wächst nicht in einer vorgefertigten Welt, wo eine Feuerwehr immer eine Feuerwehr ist. „Ein Ninja-Schwert ist heute ein Ninja-Schwert und wird es morgen auch noch sein. Ein simpler Holzstock kann heute ein Laserschwert, morgen ein Zollstock und übermorgen ein Zauberstab sein.“ Eine Puppe zum Beispiel werde dann zum besten Freund, wenn sie gute wie schlechte Stimmung spiegeln kann. Kinder, die traurig sind, wünschten sich eher kein strahlendes Lächeln. Darum seien Puppen, deren Gesichter nur angedeutet sind, die besten Wegbegleiter. Sie sollten nicht viel „können“, sondern der Fantasie Raum geben. Das werde umso schwerer, je mehr festgelegt ist.

Bio-Puppe Lotti von Nanchen in einem grünen Kleid mit weißen Pünktchen
Neutrale Gesichtsausdrücke bei Puppen lassen Raum

Altersgerecht – Alles hat seine Zeit

„Wir Erwachsenen machen die Türen auf für Kreativität und Fantasie“, sagt Denver Mielke. „Wenn Kinder zuerst ein ferngesteuertes Auto bekommen, werden sie ein Holzauto nicht mehr attraktiv finden.“ Wobei beides durchaus seine Berechtigung habe – jeweils zur richtigen Zeit.

Er plädiert für einige wenige „Herzensgeschenke“, für altersgerechtes und reduziertes Kaufen und Schenken. Dafür eigne sich besonders variables Spielzeug, das mit neuen Entwicklungsschritten immer neue Entdeckungen zulässt – wie zum Beispiel „Grimms Bogen“).

In der Natur aufgebautes Dorf mit Häusern von Grimms, deren Regenbogen und den Zwergen.
Verschiedenste Dinge aus dem Grimms-Sortiment lassen sich im freien Spiel toll kombinieren.

Auch Langeweile zulassen

„Kreativ sein heißt, sich Zeit nehmen, um auf Ideen zu kommen.“ Dafür brauche es auch Langeweile, was für Denver Mielke so viel bedeutet wie eine lange Weile Zeit haben. „Wo gibt es das noch, dass ein Kind nichts macht?“, fragt er. „Wir Eltern werden immer mehr zu Entertainern und setzen uns unter Druck, statt Langeweile zuzulassen und ihr Raum zu geben.“

Darum spricht er sich auch dagegen aus, Spielzeug zu mieten. Weil Kinder sich dann nicht dauerhaft mit etwas auseinandersetzen, sondern Neues fordern, sobald etwas den ersten Reiz verloren hat.

Ein Konstrukt gebaut aus Bauklötzen von Wooden Story
Erst sortieren, dann aneinanderlegen, stapeln und Dinge errichten - Bauklötze begleiten ein Kind lange

Als die drei wichtigsten Merkmale für gutes Spielzeug aus seiner Sicht nennt er: „Schadstofffreiheit, dass es so wenig wie möglich vorgibt und dass es altersgerecht ist. In Waldkindergärten, in denen ausschließlich die Natur das „Spielzeug“ der Kinder liefert, lässt sich übrigens eines besonders gut beobachten: wie wichtig und ausgeprägt das Miteinander-Sprechen, das Kommunizieren wird, wenn so gut wie nichts vorgegeben ist.

Klassisches Beispiel

Von Generationen heiß geliebt ist der Klassiker „Grimms Bogen“ – einfaches, abstraktes Design, viel Spielraum für Fantasie, keine alters- und geschlechtsspezifische Vorgaben. Die Kleinsten sortieren oder legen aneinander, während die Älteren auf anspruchsvolle Weise stapelnKugelbahnen bauen, Figuren legen und Fantasiewelten entstehen lassen. Dann wird der Holzbogen mal zur Brücke, mal zur Wippe, zum Himmelbett oder zur Höhle. Das fördert die verschiedensten Fähigkeiten – von denen einige heute nicht mehr selbstverständlich sind. So zeigt die Erfahrung, dass Kinder, die nicht mit einfachen Holzbauklötzen spielen, später nicht in der Lage sind, mehr als sechs Klötze aufeinander zu stapeln.

 

Redaktioneller Hinweis - Verfasserin: Christiane Deuse - Waldeckische Landeszeitung 20.4.2018

 

Einen weiteren passenden Gastbeitrag einer ehemals kommissarischen Leiterin einer Kindertagesstätte zum Thema „Kaufen wir zu viel Spielzeug“ finden Sie hier! Unseren Ratgeber über die Gefahr den Kindern die Chance auf Kreativität zu nehmen lesen Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Meinungen – nutzen Sie dazu unsere Kommentar-Funktion direkt unterhalb dieses Beitrags.

 

Dieser Beitrag wurde am 21.4.2018 veröffentlicht.


Bildrechte:

  • Bauklötze  ©  greenstories
  • nanchen puppe  © greenstories
  • grimms holzspielzeug  ©  grimms
  • I will come back soon. © gstockstudio - fototlia

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