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Die Besonderheiten in jeder Familie

Es gibt so viele Besonderheiten im Leben, dass wir sie teilweise bewusst oder unbewusst übersehen. Dabei ist es hin und wieder wichtig, nicht in die Ferne zu schauen, sondern sich mit den Besonderheiten, links oder rechts vor der Nase zu beschäftigen. Deshalb widmen wir uns mit diesem Gast-Beitrag von der Bloggerin "Wheelymum" einem solchen, besonderen Thema. Dabei möchten wir mit dem folgenden Beitrag Menschen erreichen, welche eine Behinderung haben und gerne Eltern werden möchten. Aber auch nicht betroffene Eltern, welche beim Zusammentreffen in der Öffentlichkeit nie wissen wie und ob sie reagieren sollen oder dürfen. Deshalb, lesen Sie mehr und diskutieren im Anschluss des Beitrags mit uns darüber!

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Über die Besonderheiten einer besonderen Familie

Es gibt Familien mit Mama, Papa und einem Kind. Dann gibt es Familien mit Mama, Papa und zwei Kindern – hier sagt man, dies sei die meiste Familienform. Dann gibt es Kinderreiche Familien – hier spricht man von Mama und Papa mit mehr als drei Kindern.

Es gibt Alleinerziehende Eltern und Wochenendeltern. Es gibt sogenannte Regenbogenfamilien und es gibt Familien mit besonderen Kindern. Hier spricht man meistens davon, wenn ein Kind eine Behinderung in irgendeiner Art und weise hat. Und dann gibt es noch einen Familienform in der ein oder beide Elternteile eine Behinderung haben. Genau so eine Mama bin ich. Ich bin eine Wheelymum – das bedeutet, dass ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin und eine seltene chronische Erkrankung einen Großteil unseres Alltags mitbeeinflusst.

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Von Eltern deren Kinder eine Behinderung haben, kann man immer wieder einmal etwas lesen, sieht sie im Fernseher oder hat vielleicht auch jemanden in seinem Bekanntenkreis. Integrative Kindergruppen machen den natürlichen und unbefangenen Kontakt zwischen „gesunden Kindern“ und „Kindern mit Besonderheiten“ möglich. So entstehen hier immer mehr Berührungspunkte und die Hemmschwelle kann weiter sinken. Denn wir sind alle Menschen.

Aber das es Eltern gibt, die mit einer Behinderung leben, daran wird häufig nicht gedacht. Auch Menschen mit Behinderungen können und wollen Kinder bekommen. Kinder sind etwas wundervolles und Elternsein ist ein natürliches Grundrecht. Dies soll und darf niemandem abgesprochen werden. In der Öffentlichkeit hört und sieht man leider wenig von diesen „besonderen Eltern“. Die Gründe hierfür können vielschichtig sein, und es liegt mir fern, diese zu beurteilen.

Dieser Umstand hat allerdings zur Folge, dass viele gesunde Eltern nicht wissen, wie sie mit den Fragen ihrer eigenen Kinder umgehen sollen, wenn sie z.B. in der Stadt auf solch Besondere Eltern treffen. Zu meinem 2,7 Jährigen Sohn wurde schon des öfteren gesagt: „Dann geh mal zu deiner Mama.“ Und ich stand direkt daneben. Ich unterstelle hier niemandem eine böse Absicht. Ich gehe vielmehr davon aus, dass die Gedanken manchmal in so starren Formen sind, dass man sich Eltern mit Behinderungen überhaupt nicht vorstellen kann. Diese Unsicherheit ist menschlich. Vor allen Dingen, wenn man selbst noch keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderungen hatte. Häufig habe ich schon erlebt, dass sich diese Unsicherheit noch vergrößert, wenn die Kinder anfangen fragen zu stellen, wie "Mama, was hat die Frau". Ich wünsche jedem Erwachsenen die Stärke hier einfach offen und ehrlich zu sein: "Ich weiß es nicht" und vielleicht auch "aber wenn du möchtest, können wir nachfragen" Manchmal reicht schon einer dieser Sätze um die natürliche Neugier der Kinder zu befriedigen. Und für mich aus Rollstuhlfahrersicht, ist diese Verhaltensweise wesentlich angenehmer, denn ich kann immer noch selbst mitentscheiden, wie tief ich in ein Gespräch gehe. Mit meinem kleinen Sohn, haben wir letztens, eine Gruppe mit Mehrfach - und geistig behinderten Menschen gesehen. Er fragte nicht nach, aber er zeigte mit dem Finger auf die Menschen um mir etwas zu erzählen. Ich sagte zu ihm, dass die Menschen sich vielmehr freuen, wenn er sie anlächelt, anstelle mit seiner Hand hinzuzeigen. Und so war es. er lächelte und einige lächelten zurück.

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Auf der anderen Seite, macht es dieses „beinahe nicht vorhanden sein“ von Eltern mit Behinderung in der Öffentlichkeit, aber auch Betroffenen Menschen schwer, die einen Kinderwunsch verspüren.

  • An wen kann ich mich wenden?
  • Welche Probleme kommen auf uns zu?
  • Welche Hilfsmittel werden wir brauchen?

Diese und noch viel, viel mehr Fragen stellen sich Menschen mit Behinderung und einem Kinderwunsch. Wenn man keine anderen Menschen mit ähnlichen Problem sieht, stellt man sich das Ganze noch viel viel schwieriger vor. Als unser Sohn 5 Monate alt war, waren wir mit ihm im Kinderwagen in einer Stadt. Eine junge Frau im Rollstuhl sah uns und lächelte uns an. Wir haben diese Frau noch 3 Mal gesehen. Beim dritten Mal kam sie auf uns zu und sagte:

„Darf ich sie etwas fragen? Ist das ihr Kind?“ Ich bejahte und wir kamen ins Gespräch. Wir haben uns über eine Stunde unterhalten, sie erzählte mir von ihrem Kinderwunsch, aber dass sie einfach keine Informationen oder Anlaufstellen gefunden habe, um sich auszutauschen, nachzufragen.

Und ganz genau so ging es mir in meiner Schwangerschaft auch. Es kamen so viele Fragen auf und niemand konnte sie beantworten oder sich einfach einmal austauschen. Ich habe im Internet recherchiert und auch hier kaum Berichte, oder Artikel über Eltern mit Behinderungen gefunden. Und wenn, dann waren diese schon sehr alt.

Mein kleiner Junge kam auf die Welt und nah und nach spielte sich alles ein. Ich habe ein paar herbe Rückschläge hinnehmen müssen – gerade von Seiten der Ärzte und der Behörden – aber das hat mich und uns als Familie im Nachhinein einfach nur gestärkt. Wir haben viele Hürden überwinden müssen, vieles ausprobiert, neue und unkonventionelle Wege gefunden. Vor allen Dingen haben wir unseren eigenen Weg gefunden. Das war nicht immer einfach und viele Barrieren haben sich gebildet. Ein Mutter – Kind – Kurs mit Baby und Rollstuhl. Bei uns auf dem Land leider: No way. Die Behinderung war nicht der Rollstuhl, es waren vielmehr die Treppen ohne Rampe oder Fahrstuhl.

Die-Schwierigkeiten-wenn-Eltern-mit-Behinderungen-nicht-die-richtige-Hilfe-erhalten

Mein Sohn wurde großer und agiler, neue Probleme taten sich auf, neue Lösungen wurden gebraucht. Lösungen die es nicht gab. Ein kleines Beispiel: Ich wollte ein Brett an den Rollstuhl befestigen, auf welches sich mein Sohn stellen kann, wenn er nicht mehr alleine laufen kann. Die Gesetzte und Vorschriften verbieten aber, dass ich mit dem Rollstuhl noch eine weitere Person befördere. Dies ist ebenso für den Kinderwagen oder ein Tragetuch der Fall. Somit wird deutlich wie weit wir von der Inklusion noch entfernt sind. Es ist (gesetzlich) nicht vorgesehen, dass Menschen im Rollstuhl (ihr) Kind transportieren.

Ich wollte mich nicht mehr nur aufregen und ärgern, sondern selbst aktiv werden. Ich wollte gesehen werden. Und so schreibe ich seit Ende 2015 den Blog Wheelymum. Mein Ziel ist, dass Eltern mit Behinderungen - und damit meine ich nicht nur im Rollstuhl- gesehen werden.

Ich möchte dazu beitragen Hemmschwellen zu überwinden, für andere Eltern mit Behinderungen eine Austauschmöglichkeit bieten und schlichtweg allen zeigen, wie ein Alltag bei uns in der Familie aussehen kann.

Denn wir sind Mama, Papa und Sohn. Bei uns wird gelacht, gespielt, Grenzen getestet, geschlafen, gekocht, gewaschen, gebastelt und gemalt. Wir sind eine ganz normale Familie die sich liebt. Mit dieser einen Besonderheit.

Unsere Besonderheit wirkt sich in den unterschiedlichsten Bereichen besonders aus. Wo genau und auf was wir aus diesem Grund besonders beachten müssen, darüber werde ich im nächsten Beitrag etwas mehr berichten

Aber hat nicht jede Familie irgendwo irgendeine Besonderheit? 

Wheelymum-Logo

Wheelymum und greenstories möchten gemeinsam mit dieser Beitragsreihe eine Anlaufstelle bieten, um sich einander zum Thema auszutauschen. Das gemeinsame Darüberreden hilft Hemmschwellen auf beiden Seiten abzubauen. Und sein wir mal ehrlich, wer hat sich noch nicht die Frage im entsprechenden Moment gestellt: "Wie reagiere ich jetzt richtig?". Egal wie, jeder fühlt sich unwohl, aber warum(?) - wir sind doch alle Eltern oder wollen es werden. Vielen Dank für den tollen Beitrag - wir freuen uns auf mehr!

 

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  • super Beitrag

    Gerne möchten wir mehr erfahren! Meine Tochter (5) hat mich schon öfters auf Rollstuhlfahrer angesprochen und Fragen gestellt. Schön wäre es natürlich gewesen, wenn ich wie sonst auch immer selbstbewusst und elegant geantwortet hätte aber so richtig habe ich es nicht hinbekommen da mir einfach die Gedanken dazu fehlten. Dazu ist eine Bekante ebenfalls im Mutti und leider im Rollstuhl.

    Freue mich noch mehr zu lesen und zu erfahren - vielen Dank dafür! Und weiterhin viel Kraft - wir lesen gespannt weiter.